Journal

Leuchtturm Phare des Baleines auf Île de Ré
Schauplätze

Die echten Orte hinter dem Roman

Von Sarah Weidmann · 3. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit

Eine der häufigsten Fragen seit dem Erscheinen meines Romans lautet: Gibt es La Canopée wirklich?

Die Antwort ist: nein.Aber die Gegend drumherum ist sehr real.Ich schreibe besonders gern über Orte, die ich selbst besucht habe, und versuche dabei immer, reale Details, Eigenheiten und kleine Besonderheiten einer Region in meine Geschichten einfließen zu lassen.Deshalb zeige ich euch heute, was in Helenas Welt echt ist, was ich erfunden habe – und was ich einfach eingebaut habe, weil ich es so schön finde.

La Canopée gibt es nicht

Das Familienanwesen der Mureaus habe ich einige Kilometer außerhalb von Rochefort angesiedelt. La Canopée selbst existiert nicht. Die lange Auffahrt, das Tor, die alten Bäume und dieses etwas abgeschiedene Anwesen irgendwo zwischen Land und Atlantik sind also meiner Fantasie entsprungen – auch wenn ich mich natürlich von Häusern und Landschaften der Region inspirieren ließ.

La Canopée bedeutet wörtlich übersetzt das Dach eines Waldes oder Blätterdach und das fand ich für ein Anwesen mit einem Geheimnis sehr passend.

Rochefort gibt es

Rochefort dagegen gibt es wirklich. Die Stadt spielt eine zentrale Rolle in Helenas Geschichte und trägt auch im Roman ihren echten Namen.Ihre besondere Struktur hat historische Gründe: 1666 wählten Ludwig XIV. und Colbert Rochefort als Standort für ein neues großes Marinearsenal. Rund um dieses Arsenal entstand eine planmäßig angelegte Stadt, deren regelmäßige Straßenstruktur man bis heute erkennen kann.Warum Rochefort für mich die perfekte Kulisse für einen Kriminalroman ist, erzähle ich euch noch in einem eigenen Beitrag.

Und dann gibt es die Details, die einfach zur Gegend gehören …

Nicht alles davon taucht ausdrücklich im Roman auf. Aber genau solche Dinge helfen mir beim Schreiben, eine Region wirklich zu fühlen.

Ein Beispiel sind die Salzgärten der Île de Ré, ein Stück weiter die Atlantikküste hinauf.Von oben wirken die flachen Becken beinahe wie ein riesiges Schachbrett. Seit Jahrhunderten wird hier Salz gewonnen, und noch heute ernten die Sauniers das Salz traditionell von Hand. Besonders kostbar ist die Fleur de Sel: eine hauchdünne Schicht feiner Salzkristalle, die sich bei den richtigen Wetterbedingungen an der Wasseroberfläche bildet und vorsichtig abgeschöpft wird.

Salzgärten auf der Île de Ré
Die Salzgärten der Île de Ré. Im Roman kommen sie nicht vor, in meinem Kopf schon.

Die Brücke auf die Insel ist knapp drei Kilometer lang und kostet in der Hochsaison achtzehn Euro für Hin- und Rückfahrt. Die Häuser sind weiß gekalkt, an den Mauern wachsen Stockrosen. Das ist keine Postkartenübertreibung, dazu gibt es eine Gemeindeverordnung.

Und dann die ânes en culotte, die Esel in Hosen. Die Tiere arbeiteten in den sumpfigen Salzgärten und trugen gestreifte Beinkleider gegen Mücken und scharfes Gras. Heute begegnest du ihnen als Attraktion, nicht mehr bei der Arbeit. Im Buch stehen sie nirgends. In Band zwei vielleicht.

Esel in gestreiften Hosen auf der Île de Ré
Die ânes en culotte. Auf dem Bild allerdings ohne Hosen zu sehen.

Es sind solche Details, die ich an dieser Gegend liebe.Vielleicht stehen sie am Ende nur in meinem Notizbuch. Vielleicht schaffen sie es in einen Nebensatz. Und manchmal wird aus ihnen eine ganze Szene.Aber für mich gehören sie alle zu Helenas Welt.