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Stadtansicht von Rochefort an der Charente
Schauplätze

Rochefort – der echte Schauplatz von Helena Mureaus erstem Fall

Foto: Calips, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Von Sarah Weidmann · 5 Min. Lesezeit

Es gibt Orte, die wie für einen Kriminalroman geschaffen scheinen – und Rochefort gehört für mich definitiv dazu. Eine Stadt nahe dem Atlantik, unter Ludwig XIV. am Reißbrett geplant, mit schnurgeraden Straßen und diesem ganz besonderen Licht, das morgens über der Charente liegt.

Es gibt Orte, die wie für einen Kriminalroman geschaffen scheinen – und Rochefort gehört für mich definitiv dazu. Eine Stadt nahe dem Atlantik, unter Ludwig XIV. am Reißbrett geplant, mit schnurgeraden Straßen und diesem ganz besonderen Licht, das morgens über der Charente liegt.

Eine Stadt, die ein König erfunden hat

Es gibt Orte, die wie für einen Kriminalroman geschaffen scheinen – und Rochefort gehört für mich definitiv dazu. Eine Stadt nahe dem Atlantik, unter Ludwig XIV. am Reißbrett geplant, mit schnurgeraden Straßen und diesem ganz besonderen Licht, das morgens über der Charente liegt.Genau hier lasse ich Helena Moreau ermitteln. Und wer Mord in Rochefort schon gelesen hat, kennt die Stadt bereits ein wenig. Höchste Zeit also, den echten Ort hinter meinem Krimi etwas näher vorzustellen.Die meisten französischen Städte sind über Jahrhunderte gewachsen. Straßen kamen hinzu, Häuser wurden angebaut, Viertel veränderten sich. Bei Rochefort war es anders. Die Stadt entstand ab 1666 unter Ludwig XIV. praktisch aus dem Nichts. Sie sollte Arsenal und Marinehafen werden – geschützt ein Stück die Charente hinauf und weit genug vom offenen Atlantik entfernt, um nicht unmittelbar von See aus angegriffen werden zu können.

Geplant wurde Rochefort beinahe wie auf einem Schachbrett. Noch heute erkennt man diese Ordnung an den rechtwinklig verlaufenden Straßen.

Südfassade der Corderie Royale in Rochefort
Die Corderie Royale – über 370 Meter lang, einst die Seilerei der königlichen Flotte. Foto: Patrice78500, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eines der eindrucksvollsten Zeugnisse dieser Zeit ist die Corderie Royale, die königliche Seilerei. Das Gebäude ist rund 370 Meter lang und gehörte im 17. Jahrhundert zu den längsten Gebäuden Europas. Hier wurden die gewaltigen Taue für die Schiffe der königlichen Marine gefertigt.

Wo das Licht anders fällt

Und genau diese beinahe perfekte Ordnung ist für eine Krimiautorin ein Geschenk. Denn wo alles so akkurat wirkt, stellt sich fast automatisch die Frage: Was verbirgt sich dahinter?

Pont transbordeur de Martrou über die Charente bei Rochefort
Der Pont transbordeur de Martrou über die Charente – eine der letzten Schwebefähren ihrer Art. Foto: KRaikkonen01, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was mich an Rochefort aber zuerst begeistert hat, war etwas anderes: das Licht. Die klare Atlantikluft. Die Charente, die sich langsam Richtung Meer zieht. Und die Pont Transbordeur de Martrou, eine der letzten Schwebefähren ihrer Art – ein filigranes Stahlgerüst über dem Fluss, das aussieht, als wäre es aus einer anderen Zeit hier stehen geblieben.Dann ist da die Hermione, jene berühmte Fregatte, mit der Lafayette 1780 nach Amerika segelte und von der in Rochefort ein originalgetreuer Nachbau entstand. Überhaupt erzählt die Stadt viel von Aufbruch, Meer und Fernweh. Und gleichzeitig liegt über ihr eine eigentümliche Ruhe, die ich beim Schreiben immer wieder faszinierend finde.

Schöne Fassaden, dunkle Geheimnisse

In Rochefort gibt es außerdem ein Haus, das ich besonders liebe: das Maison de Pierre Loti. Der Schriftsteller wurde hier geboren, und von außen wirkt sein Haus zunächst wie eine gewöhnliche Fassade in einer ruhigen Straße. Dahinter verbirgt sich jedoch eine beinahe fantastische Welt. Eine türkische Halle, ein gotischer Saal, Räume voller Inszenierung, Erinnerungen und gesammelter Dinge – ein Inneres, das man von außen niemals erwarten würde.

Schöne Fassaden. Dunkle Geheimnisse.

Schöner könnte man mein Motto kaum bebildern. Genau in dieser Spannung bewegt sich Helena: eine Stadt, die nach Ordnung, Tradition und gutem Geschmack aussieht und in der hinter den hellen Mauern Dinge geschehen, die niemand sehen soll.

Helenas Rochefort – und der Wein

Vielleicht passt gerade dieses Haus deshalb so gut zu meinen Rochefort-Krimis.

Denn genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch Helena Moreau: zwischen einer Stadt und Familien, die Tradition, Stil und gute Manieren hochhalten – und den Dingen, die sich hinter ihren Fassaden abspielen und von denen möglichst niemand erfahren soll.